Das Sperrhalfter

mein Facebookartikel vom 8. Juli 2018

 

Reiten ohne Nasenriemen ist nicht schonender… dieser Studie, von der Reiter Revue veröffentlicht wird gerade hier auf Facebook ganz fleißig  geteilt und geliked. Mich macht sie einfach sprachlos!

Erhöhtes Verletzungsrisiko ohne Nasenriemen! Dies bringt eine dänisch/amerikanische Studie hervor, die an 3300 TUNIERPFERDEN erprobt wurde…

Bei den Pferden mit korrekt verschnalltem Sperrhalfter fanden die Forscher weniger Verletzungen, Quetschungen oder Spuren von Blut! Allein diese Aussage ist schon unglaublich. Da wird von weniger Verletzungen und Blut gesprochen. Aber wo wir doch gerade bei korrekt verschnallten Sperriemen sind, auch dazu gibt es eine Studien, welche auf verschiedenen Turnierplätzen in unterschiedlichen Klassen und Ländern der FEI gemacht wurde, mit einem ganz erschreckenden Ergebnis. Von insgesamt 750 untersuchten Pferden zeigten erschreckende 326 = 43,6% einen deutlich zu engen Sperriemen, bei dem nicht einmal ein halber Finger durch gepasst hätte. Nur 51 Pferde hatten einen korrekt verschnallten, das sind 6,8 % !  Aber nun zurück zu der o.g. Studie. Da wird davon gesprochen, dass der Nasenriemen schonender fürs Pferd ist, da es  weniger Verletzungen gibt.

Ein sperrendes Pferd wehrt sich gegen eine zu harte Reiterhand. Das ist sein einziges Mittel um dem Reiter mitzuteilen, dass es Schmerzen hat. Das geht natürlich zugeschnürrt nicht. Wenn ein Pferd dann plötzlich von der gleichen harten Hand ohne Nasenriemen geritten wird, ist es wohl klar warum es Verletzungen gibt. Sollte man in erster Linie nicht einmal über die Hilfengebung nachdenken? Hilfen sollen übrigens helfen und nicht verletzen. Wie wäre es denn, wenn man Pferde in dieser Studie untersucht hätte, die eine korrekte Ausbildung mit feinen Hilfen durchlaufen sind, evtl. sogar ohne Nasenriemen? Wie würde es denn aussehen, wenn diese Pferde plötzlich mit Nasenriemen und harter Hand geritten werden? Was ist mit den Gebissen? Wurden alle Pferde mit den gleichen geritten, oder gab es verschiedene, unpassende  oder für das jeweilige Maul einfach nicht geeignete?

Es macht mich unglaublich wütend, dass darüber diskutiert wird, wie eng man zubinden darf.

Und zum Schluss noch einmal die Auswirkungen eines zu engen Nasenriemen. Wenn der Kiefer zugeschnürrt wird, hat dies Auswirkungen auf die gesamte Muskulatur. Das Pferd muss sozusagen mit zusammengebissenen Zähnen laufen, das sollte jeder einmal zum besseren Verständnis versuchen. Die Kautätigkeit ist elementar wichtig, damit das Pferd entspannt. Zungenbein und Kiefergelenk können nicht mehr arbeiten, ist das Kiefergelenk blockiert, blockiert das Genick und somit auch das Kreuzbein. Das Durchspringen oder Untertreten wird unmöglich. Aber das ist nur ein kleiner Teil neben Schmerz und Stress! Was vielleicht auch noch zu sagen ist, ein zufriedenes Pferd, welches kauen und schlucken kann, hat nur wenig Schaum an den Lippen. Oft sieht man stark schäumende Pferde, das ist KEIN Zeichen von Wohlbefinden, denn sie können weder kauen noch können sie ihren Speichel hinunterschlucken, weil der Nasenriemen zu eng ist. Übrigens bin ich nicht gegen einen KORREKT verschnallten Nasenriemen.  

 

Kinesiotaping am Pferd

mein Facebookartikel vom 21. Juni 2018

…Nun wird`s bunt…

 

Jeder von uns kennt wahrscheinlich das klassische Taping am Menschen, aber ist es auch beim Pferd wirksam? Ich habe selbst gezweifelt und musste mich eines Besseren belehren lassen. Bei einer Fortbildung haben wir ein Pferd mit Kissing-Spines getapet und das Pferd zeigte deutliches Wohlbefinden in der Bewegung. Wie immer habe ich erst einmal einige Selbstversuche gestartet und war schlicht begeistert. Vor allem, da ich ein Pferd mit einer Vernarbung in der Sattellage  (Bissverletzung) besitze und ich das Narbengewebe nie zufriedenstellend elastisch bekommen habe. Ich habe verschiedene Narbentechniken angewandt und war wirklich überrascht, wie positiv sich das Gewebe durch das lösen der Verklebungen entwickelt hat.  

An erster Stelle steht beim Taping die Schmerzreduktion, sie ist die perfekte Methode um bei der Manuellen Therapie ergänzend zu unterstützen.  Das Tape kann natürlich keine Wunder vollbringen, aber es kann den Körper nachhaltig positiv beeinflussen und ist somit als Zusatztherapie sehr wertvoll, da es die eigentliche Therapie intensiviert und verlängert.  

So gibt es verschiedene Tapeanlagen um zum Beispiel Narbengewebe zu behandeln, Muskelanlagen um den Muskeltonus zu harmonisieren, Faszienanlagen um Verklebungen zu lösen und Ligamentanlagen umd z.B. bei Gelenks- oder  Bänderverletzungen zu entlasten.

In der Regel halten die Tapes drei bis fünf Tage und sind auch beim Training kein Problem, wenn keine Ausrüstung auf der Tapeanlage liegt. Dies sollte selbstverständlich vermieden werden.

Allerdings ist es auch wichtig, dass sich das Pferd bewegt, denn nur so kann das Tape seine Wirkung entfalten, ohne Bewegung bleibt es wirkungslos!

Das Tape wirkt auf neurophysiologischer Ebene, es kommt durch das Klebeband zu Verschiebungen in den Hautschichten und dem darunter liegenden Gewebe. Dadurch werden die Verklebungen in diesen Schichten gelöst, die Durchblutung wird verbessert und die Nährstoffversorgung optimiert.  

EOTRH (Equine odontoclastic tooth resorption and hypercementosis)

mein Facebookartikel vom 20.März 2018

EOTRH (Equine odontoclastic tooth resorption and hypercementosis)
Wenn man sich die Fotos der entfernten Schneidezähne anschaut, ist wahrscheinlich jedem klar, wie schmerzhaft diese Krankheit für die Pferde ist und wie wichtig eine jährliche Zahnkontrolle durch ausgebildete Kräfte ist.
Auch der Pferdebesitzer sollte sich regelmäßig die Frontzähne ansehen!
Erste Anzeichen für das Vorliegen einer EOTRH können sein:
- Probleme beim Fressen, vor allem beim Abbeißen von Möhren oder hartem Brot
- Deutliche Zahnsteinbildung an den Schneidezähnen
- Zahnfleischentzündungen, teilweise mit roten Punkten oder Eiterbläschen
- Schmerzhaftigkeit beim Anfassen am Maul oder beim Auftrensen
- Übler Geruch aus dem Maul
EOTRH verläuft chronisch fortschreitend und betrifft vor allem ältere Pferde und zum großen Teil Robustpferderassen, so das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Tiermedizinischen Hochschule Hannover und Wien.
Die Erkrankung verursacht eine Entzündung des Zahnhalteapperates sowie des Zahnfleisches. Als Reaktion darauf beginnt sich die Zahnhartsubstanz aufzulösen und der Körper versucht durch die Bildung von Zement an den Zahnwurzeln diesem Prozess entgegenzusteuern. Dadurch entstehen schmerzhafte Auftreibungen an der Zahnwurzel.
Die Krankheit verläuft sehr schnell, leider ist die Entstehung bisher ungeklärt und es gibt noch keine gezielte Therapie. Wahrscheinlich ist aber, dass eine bakterielle Infektion des Zahnhalteapparats eine Rolle spielt. Bei Schmerzen und fortgeschrittener Symptomatik hilft nur noch das Ziehen der betroffenen Zähne, evtl. sogar aller Schneidezähne.
Es hat sich gezeigt, dass sich die behandelten Pferde sehr schnell erholen und wieder schmerzfrei sind.
Also noch einmal – bitte lasst jährlich einen Fachmann die Zähne Eurer Pferde kontrollieren und schaut selbst ab und an einmal die Schneidezähne an!

Die letzten beiden Bilder zeigen einen auffälligen Befund bei der jählichen Zahnkontrolle. Aufgrund des Sichtbefundes an den beiden äußeren Schneidezähnen wurde gröntgt und EOTRH im Anfangsstadium festgestellt.

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Das Halfter

mein Facebookartikel vom 6. Februar 2018

Das Halfter - täglich am Pferd - worauf sollte man achten

Eigentlich täglich sehe ich neben falsch, meistens zu groß eingestellten Halftern, immer noch Pferde, bei denen der Karabinerhaken des Halfters verkehrt herum zu gemacht wurde.
Der Dorn drückt in die Backe des Pferdes. Neben dem größten Kaumuskel, dem Masseter, verläuft in diesem Bereich auch einer der Hirnnerven, der nervus fascialis. Sicherlich kann sich nun jeder vorstellen wie unangenehm und schmerzhaft dieser dauerhafte punktuelle Druck ist. Besonders Pferde, die mit Halfter auf die Weide gehen, werden beim Fressen noch zusätzlich gepeinigt. Sie werden versuchen diesen Druck auszuweichen, werden evtl. dadurch im Genick oder im Kiefergelenk blockieren.
Wie man sieht, kleine Ursache mit großer Auswirkung und ganz leicht abzustellen

Das Wohl der Pferde

mein Facebookartikel vom 3. Januar 2018

Das Wohl der Pferde…

….aus gegebenem Anlass und weil es mich immer wieder traurig und auch wütend macht ein paar Dinge zur Pferdehaltung:
Ich bin immer wieder überrascht und auch verärgert, wie wenig Pferdebesitzer von Ihrem „Partner“ wissen. Nicht das Pferd hat sich unseren Bedürfnissen anzupassen, sondern wir haben dafür Sorge zu tragen, dass unsere Pferde artgerecht gehalten werden. Damit meine ich nicht, dass sie in matschigen Offenställe ohne trockene Liegemöglichkeit mit viel zu vielen Pferden stehen. Genau so wenig gehören Pferde 23 Stunden pro Tag in eine vergitterte Box und werden dann, wenn sie Glück haben, noch 1 Stunde in einer Halle geritten, jeder Gefängnisinsasse hat mehr „Auslauf“.
Die Haltungsbedingungen sind entscheidend für die Gesundheit des Pferdes. Viele Verhaltensauffälligkeiten aber auch körperliche Beschwerden wie Koliken, Magengeschwüre, COPD, immer wieder kehrende Lahmheiten, verspannte Muskulatur werden durch ungünstige Haltung gefördert.
In der Natur würde ein Pferd ca. 18 Stunden grasen und sich dabei im Schritt ungefähr 30 km fortbewegen. Diese permanente Bewegung sorgt für eine gute Blutzirkulation, Muskeln und Gelenke werden dabei optimal versorgt. Während des Grasens produziert ein Pferd ca. 40-60 Liter Speichel. Eine ausreichende Speichelproduktion ist entscheidend für die Pufferwirkung von Magensäure. Da die Speichelproduktion mit der Anzahl der Kauschläge zusammenhängt und die Sättigung wiederum von den Kauschlägen abhängig ist, kann man sich nun vorstellen, wie wichtig eine ständige Rauhfutterversorgung für die Pferdegesundheit ist. In der Zeit, in der die Pferde nicht mit Futter- oder Wasseraufnahme beschäftigt sind, dösen sie, pflegen Sozialkontakte oder betreibt Fellpflege innerhalb der Herde (diese leben ein Leben lang zusammen). Pferde pflegen übrigens dauerhafte Freundschaften und leben lange Zeit in derselben Rangordnung. Ställe in denen es viele Wechsel gibt, bedeuten Stress! Nicht nur wegen der ewig neuen Ordnung in der Herdenhierachie, sondern auch weil der Freund fehlt.
Idealerweise halten wir die Pferde in einem ruhigen, dauerhaften Gruppenverband mit ausreichend (1,5ha pro Pferd) Wiese, einem trockenen, großen Auslauf, einer großen immer frisch eingestreuten Boxen für die Nacht und viel, viel abwechslungsreicher Bewegung.
Diese ideale Haltungsform gibt es nun leider nicht so oft, ein paar Kompromisse müssen fast immer eingegangen werden und wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Pferden gut geht.
• Das Pferd sollte täglich mit seinem Lieblingskollegen ein paar Stunden draußen auf einem ausreichend großen Paddock stehen – im Sommer auf einer Wiese
• Es sollte ausreichend schimmel- und staubfreies Heu zur Verfügung haben
• Keine Fresspausen länger als 4 Stunden
• Die Box sollte hell mit Ausblick und mindestens 4x4 Meter groß sein, idealerweise mit Paddock und Kontakt zum Nachbarn
• Sie sollte jeden Tag richtig gesäubert werden
• Es sollte sich mit dem Boxennachbarn verstehen
• Die Bewegung des Pferdes sollte abwechslungsreich gestaltet werden und damit meine ich nicht abwechslungsreich in der Halle reiten
Wenn wir diese wenigen, eigentlich selbstverständlichen Dinge berücksichtigen, erfüllen wir gerade mal §2 des Tierschutzgesetzes in dem es heißt: Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.

Der Sattel

mein FacebookArtikel vom 12. August 2017

DER SATTEL - das Bindeglied zwischen Reiter und Pferd und ein nie endendes Thema ...

In dieser Woche hatte ich einen Termin mit Kunden und einem Sattler, der sich bereit erklärt hat, mich bei der Beratung zu unterstützen. Wir hatten viele gebrauchte Sättel zur Auswahl und konnten nun zusammen den passenden finden. Diese Zusammenarbeit ist so wichtig, da wir so gemeinsam das Beste für Reiter und Pferd suchen konnten. Unglaublich wie deutlich dabei auch die Pferde zeigten, ob das jeweilige Modell ihnen zusagte oder nicht und auch wie ein vermeidlich passender Sattel plötzlich mit dem Reiter oben gar nicht mehr passt. Für mich war es auch wichtig zu erfahren, ob der Sattel noch veränderbar ist, wie weit die Kammer zu verstellen ist (es gibt Modelle, bei denen gar keine Veränderung möglich ist) und ob die Kissenform für den Pferderücken optimiert werden kann. Nebenbei bekommt man immer neue Infos zu den verschiedenen Neuerungen - ob gut oder schlecht.

In den letzten Jahren hat sich das Angebot an Sätteln so stark vergrößert, so dass es für die meisten Reiter völlig unübersichtlich geworden ist und die Werbung suggeriert immer nur das Beste fürs Pferd.

Sicher ist auf jeden Fall einmal, dass die Sattelform immer zur Oberlinie des Pferderückens passen sollte. Weiterhin sollte er auf keinen Fall über den letzten Rippenbogen hinaus ragen, der Reiter sollte dicht an den Widerrist gesetzt werden und seine Oberschenkel sollen locker nach unten fallen, damit sich Bügel und Fußballen treffen.Der Widerrist sollte genügend Platz haben, auch wenn das Pferd den Hals anhebt und das Kopfeisen sollte Parallel zum Schulterblatt verlaufen und diese nicht einengen. Selbstverständlich sollte er auch für den Reiter sitzbequem sein. Probieren Sie verschiedene Sättel aus! Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich ein Pferd laufen kann.

Oft wird unterschätzt, welche Auswirkungen ein unpassender Sattel hat.
Hat Ihr Pferd eines oder mehrere der folgenden Symptome, sollten Sie überprüfen, ob das Problem vielleicht vom Sattel ausgelöst wird:
- Schwund des Trapezmuskels (neben dem Widerrist wie ausgehöhlt)
- Schwund des Rückenmuskels (meist im hinteren Bereich)
- Rücken festhalten und/oder wegdrücken
- Taktunklarheiten bis hin zu Lahmheiten
- gebundener Gang
- Buckeln, Steigen, Durchgehen
- Stolpern oder gar Hinfallen
- Probleme bei Biegungen
- Rückenempfindlichkeit

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